Samhain (heute besser bekannt als Halloween) ist eines der 8 Jahreskreisfeste, welche unsere Vorfahren bereits vor langer Zeit feierten. Die Menschen lebten stets im Einklang bzw. im Kreislauf mit der Natur. An Samhain geht es unter anderem darum, dass es kein Leben ohne den Tod gibt. Das Rad des Lebens dreht sich unaufhörlich weiter, auch wenn es im Außen so aussieht, als ob alles sterben würde. Das, was jetzt in der Natur geschieht, geschieht auch in uns. So wie sie sich wandelt, tun es auch wir.

SAM bedeutet Sommer, HAIN soviel wie Ende. Diese Fest war / ist ein Neumond-Fest, somit fällt es nicht immer genau auf den 31.10. Heuer war es bereits am 28.10. Die Qualität und die Intensität dieser Zeit dauert jedoch noch viele Wochen an. Der Rückzug, die Innenschau, das Loslassen und schliesslich der kraftvolle Neubeginn können nun beginnen.

Begegnungen mit der vermeintlich sterbenden Natur

Draußen siehst und spürst du jetzt das allmähliche Sterben, das Einwintern im Tierreich, das Fallen der Blätter, das Düstere, den Nebel und die Dunkelheit. Ironischerweise ist heute diese stille Zeit oft die hektischste im Jahr. Wir sollen jedoch dem Vorbild der Natur folgen und diese Zeit sinnvoll nutzen.

Sei mutig und erlebe bewusst das Vergehen sowie auch die Ruhe und Langsamkeit. Welche Lasten möchtest du endgültig loslassen? Erkenne deine Schöpferkraft, reflektiere, lasse dich fallen, träume und vertraue – lasse zu, was nun kommen will.

Man kann jetzt aber auch schon die Zeichen für das nächste Erwachen sehen – z.B. die Knospen an den Bäumen. Diese sind sowieso für mich das beste Vorbild zu dieser Thematik: der Baum steht in ständigem Wandel, zu jeder Jahreszeit zeigt er sich uns in einem anderen Kleid. Und jetzt im Herbst möchte man meinen, er stirbt – das war´s. Aber ganz im Gegenteil: er zieht seine Kraft zurück, ruht und rastet, folgt seiner Bestimmung (er wehrt sich nicht und hektelt herum, weil er noch dieses und jenes erledigen muss;) und treibt voller Energie im kommenden Frühjahr wieder aus – dann beginnt der Kreislauf von Neuem.

Die Kraft der Ahnen

Auch wenn wir sie nicht kannten, auch wenn sie ev. böse Menschen waren – wir sind mit unseren Ahnen verbunden. Wenn wir versuchen, im Gebet, in der Meditation, in bewussten stillen Momenten an sie zu denken oder sie zu spüren, werden wir immer mehr Ungereimtheiten klären, sowie auch Kraft und Freude daraus schöpfen.
Eventuell unterstützt dich dabei eine Räucherung mit z.B. Wacholder, Thuje, Rose, Ringelblume, Holunder oder Engelwurz.
Sei dankbar für so viele Menschen, die hinter dir stehen – und das im wahrsten Sinn des Wortes. Sie stützen dich und du kannst dir immer wieder Rat bei ihnen holen.

Du kannst auch, um deine Ahnen zu ehren oder ihnen zu gedenken, weitere symbolische Aktionen setzen: zünde klassischerweise eine Kerze an oder lege Blumen / einen Kranz nieder. Das muss nicht am Grab sein – es darf auch ein für dich oder für den Verstorbenen besonderer Platz sein. Schreibe einen Brief, rede mit ihnen, stelle alte Fotos auf. Lade sie zu einem guten Mahl in dein Heim ein. Es dürfen auch z.B. die Enkel der Oma oder dem Opa ein Bild malen. Ev. möchtest du dich auch mit so manchem Vorfahren aussprechen.

Alte und neue Traditionen

Früher legten die Menschen im Herbst ihre Arbeit im Außen nieder und zogen sich in die Häuser zurück. Es wurde auch kränkliches oder überschüssiges Vieh geschlachtet und als letztes großes Mahl in der Gemeinschaft vor dem Winter verspeist (Stichwort Martini Gans). Auch wurde z.B. der Kamin innen geputzt, weil man glaubte, hier rutschen die Ahnen ins Haus herein. Erinnert dich das an etwas oder jemanden? Genau, der amerikansche Weihnachtsmann macht´s ja genau so! So sehen wir wieder, alle angeblich neuen Gebräuche haben einen uralten Ursprung – die Menschen haben einfach im Laufe der Zeit vieles neu interpretiert oder angepasst. Genau so gingen früher die armen Leute im Herbst von Haus zu Haus und erbaten eine Spende für den heran schreitenden Winter; im Gegenzug beteten sie beispielsweise für die Hausbewohner.

Süßes oder Saures?

Um das klassische Halloween nicht zu einem seelenlosen Brauch verkommen zu lassen, kann man sich einfach wieder Stück für Stück der alten Traditionen und Wurzeln bewusst werden. Nutze die Zeit, um an deine Verstorbenen / an deine Ahnen zu denken und erzählt euch Geschichten über sie. Genauso darf auch mit Kindern über das Sterben gesprochen werden. Und es wäre auch schön, wenn vor dem Süssigkeiten erbetteln eine Gegenleistung erfolgt (geben & nehmen) – z.B. ein Gedicht oder ein Bild oder was Gebasteltes für die Spender mitbringen.

Die katholische Kirche

Sie feiert zu Samhain bekanntlicherweise Allerheiligen und Allerseelen. Das Gedenken an die Toten / an die Ahnen ist geblieben, jedoch wurde vieles andere von der Kirche komplett verzerrt. Im herbstlichen Allerheiligen-Grabschmuck spiegeln sich auch noch immer die selben Pflanzen: immergrüne Gewächse, Thuje, Wacholder, Rosen etc. Die Menschen wurden und werden allerdings von der Kirche leider oft einfach als sündig und unwürdig abgestemplt. Sie schührte auch die Angst vor dem Tod und vor der heiligen weiblichen Dunkelheit. Sie kreierte die Hölle, um den Menschen das Fürchten zu lehren und gab dann gnädigerweise auch gleich die praktische Lösung mit auf den Weg, um dort nicht schmorren zu müssen: beten, um Vergebung flehen, spenden. Und das nicht nur für sich, sondern auch für seine lieben Verstorbenen – man wollte ja nicht, dass diese im Fegefeuer auf ewig fest sitzen.

Unterwerfung, Ausbeutung und das Verleugnen alles kraftvollen Weiblichen war der Kirche offenbar ein echt wichtiges Anliegen. Trotzdem muss ich auch noch eines dazu sagen: was ich sehr an der Kirche (was auch immer das genau für jeden bedeutet) schätze, ist die Möglichkeit der Einkehr, die Gemeinschaft (das miteinander leben und feiern) und den geschichtlichen Aspekt der Gotteshäuser.

Frau Holle – die schwarze Göttin

Jeder kennt das Märchen von Frau Holle. Nur, das es eben kein reines Märchen ist. Frau Holle ist eine Göttin, die im Herbst alles Leben zu sich in den Untergrund holt und dort bis zum Frühling auf es aufpasst. Das Reich der Holle wurde in der Kirche in die Hölle umgewandelt – die Angst vor der weiblichen (Nat)Ur-Kraft war, wie schon erwähnt, anscheinend so groß, dass nichts ungetan blieb, alles mit ihr Verbundene zu denunzieren. Man konnte aber den Menschen ihren alten Natur-Glauben nicht einfach wegnehmen, darum wurde er in ein Kindermärchen verpackt und so von Generation zu Generation immer weiter mündlich überliefert.
Schnapp dir einfach ein Märchenbuch und lese noch einmal die Geschichte der Frau Holle. Denke dabei an die jetzt vergehende Natur und wie sich alles im Märchen wieder spiegelt – spüre einfach hinein.

Gerade Frauen kennen theoretisch die zyklischen Abläufe der Natur – wir erleben das jedes Monat aufs Neue. Und wenn frau sich auf diesen natürliche Zyklus – im Innen und Außen – einlässt, wird sie bald bemerken, welche Fülle und welches Potenzial hinter diesem Geschenk steckt.
Lasse den Kreislauf der Natur fließen – be like water!

Die Dunkelheit begrüßen

Sie ist die weibliche Kraft, aus der alles geboren wird. In ihr dürfen wir ruhen und so sein wie wir sind. Lass die uns eingeimpfte Angst vor der Dunkelheit los und verbringe immer wieder einige Zeit in ihr, um dich zu besinnen und wieder zu erden.

Tritt bewusst in diesen neuen Abschnitt ein – ev. bei einem Waldspaziergang. Ein schönes Ritual kann auch sein (am besten zu Neumond), alles was man loslassen möchte auf zu schreiben, den Zettel zu verbrennen und ggf. die Asche zu vergraben. Die Asche nährt dann den Boden für Neues.
Nur durch den Tod kann neues Leben entstehen – und so steht gerade das Fest Samhain für den ewigen Kreislauf des Lebens.

Ich wünsche dir für die kommenden Wochen den Mut, ganz tief einzutauchen, zu spüren und Erfahrungen zu sammeln in dieser wertvollen dunklen Zeit.

DANKE FÜRS TEILEN!

2 Gedanken zu “Das Jahreskreisfest SAMHAIN – eintauchen in die kostbare dunkle Zeit”

  • Ja, der Herbst ist auch für mich eine wundervolle Jahreszeit geworden in der man (Frau) sich besinnt, inne hält und an liebe Menschen und Tiere, welche man viel zu früh verloren hat denkt. Danke!

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